Schön spazieren in Hamburg

Warum ist Hamburg so lebenswert? Ich glaube es liegt an dem Wasser, Hafen und Alster, den grünen Parks, der Kultur, belebten Stadtvierteln und entspannten Menschen. Man kann stundenlang durch die Stadt flanieren, mit einem Bier in der Hand und einer guten Freundin an der Seite. Hamburg bietet viele solcher Ecken. Das sind meine Lieblingsspaziergänge in Hamburg.

Ohlsdorfer Friedhof

Zu jeder Jahreszeit spürt man hier eine besondere Atmosphäre. Doch für mich ist der Ohlsdorfer Friedhof am schönsten, wenn Anfang Juni die Rhododendren blühen und alles in ein Meer aus Farben hüllen. Der Friedhof im Norden Hamburgs ist eine Oase, in der man Ruhe findet. Es gibt verwinkelte Ecken, alte Monumente, Teiche und riesige Bäume, in denen der Wind knistert. Gräber sammeln sich auf Wiesen, mache verstecken sich zwischen Büschen und Bäumen. Statuen mit liebevollen Gesten und alte Gruften werden über Jahrzehnte von Wurzeln verrückt. Hier kann man nachdenken und sich ausruhen.

Der Ohlsdorfer Friedhof Anfang Juni. Die Rhododendren blühen.

Der Friedhof ist der größte Parkfriedhof der Welt und Hamburgs größte Grünanlage. Hier wachsen rund 450 Laub- und Nadelgehölzarten und auf den Teichen, in den Büschen und Bäumen sind viele Vögel zu Hause. Außerdem ruhen hier einige Persönlichkeiten wie der Schauspieler Jan Fedder, die Schauspielerin Inge Meysel oder der Schriftsteller Roger Willemsen in Frieden.

Rissen

Rissen liegt im Westen Hamburgs. Nördlich von Rissen gibt es Wälder, Wiesen, Moore, zahlreiche Gaststätten und ein Wildgehege. Ideal für Fluchten aus der Stadt, für kurze und lange Spaziergänge – ob alleine mit seinen Gedanken, zu zweit oder mit der Familie.

Hinter mir das Schnaakenmoor.

Wer Lust hat auf einen Spaziergang fährt mit der S1 Richtung Wedel und steigt in Rissen aus. Von hier aus hat man zahlreiche Ausflugsziele. Die lassen sich frei verbinden. Und wer spontan doch etwas länge laufen will, hängt einen Abschnitt dran. Lohnenswerte Etappen sind der große Fischteich, das Wildgehege Klövensteen, das Schnaakenmoor oder die Pony Waldschänke. Von hier aus kann man gestärkt weiterlaufen; zum Beispiel über Sülldorf zurück nach Blankenese oder rund sieben Kilometer in den Norden bis Pinneberg.

Altonaer Balkon

Zwischen den prunkvollen Villen der Elbchaussee, dem Kreuzfahrtterminal und Schlepperparkplatz liegt eine Parkkette, die sich vom Fischmarkt bis zum Elbstrand zieht. An den Altonaer Balkon, mit Blick auf die Köhlbrandbrücke, hängen sich der Heidepark, der Donnerspark und der Rosengarten, verbunden über Wege und Treppen, die immer wieder runter zum Hafen oder hoch nach Altona führen. Zwischen Bäumen und Grünflächen ist Platz, um die Sonne oder den Blick auf den Hafen zu genießen und neben Joggern und Hunden spazieren zu gehen.

Grünfläche im Donnerspark. Durch die Bäume erkennt man die Köhlbrandbrücke.

Die Verpflegungslage ist hier ausgesprochen gut. Die zahlreichen Lokale zwischen Fischmarkt, Fischereihafen und Elbstrand bieten viele Optionen den Durst, kleinen oder großen Hunger zu stillen. Meine besonderen Empfehlungen sind das Café Schmidt und das Fischmarkt Bistro am Fischereihafen. Getränke hole ich mir oft im Sutsche am Eingang vom Elbstrand.

Wo steigt man am besten ein? Zum Beispiel am Fischmarkt, am Rathaus Altona oder bei der Himmelsleiter. Man kann mit der Fähre bis Övelgönne fahren und von dort zum Altonaer Balkon laufen. Oder man läuft über den Altonaer Balkon in eine und am Hafen in die andere Richtung. Festlegen muss man sich nicht – man lässt sich einfach treiben oder lässt das Wetter entscheiden.

Planten Un Blomen

Dass man sich das Wassserlichtspiel im Park anschauen soll, steht wohl in vielen Reiseführern. Allerdings verpasst man viel, wenn man den Park auf seine bekannten Hightlights reduziert. Seit neun Jahren lebe ich in Hamburg, bin oft in Planten Un Blomen, trotzdem entdecke ich immer wieder neue Ecken. Den Park wirklich entdecken kann man nur, wenn man sich Zeit nimmt und jeden kleinen Weg, den man finden, auch einschlägt – die großen Wege lassen sich fast komplett meiden.

Das alte Café Seeterrassen.

Noch eine Besonderheit: Ab Frühling, wenn die ersten Sprösslinge aus dem Boden stechen bis in den Herbst, wenn Blätter zu Boden segeln verändert der Park fast wöchentlich sein Aussehen – ein farbenfrohes Feuerwerk in Zeitlupe.

Im übrigen wurde der Park auf der ehemaligen Wallanlage der Stadt errichtet – auf Google Maps lässt sich die Kontur der Wehranlage noch immer erkennen. Wer noch mehr Einblicke in die Geschichte von Park und Stadt sucht, wird auch im Park fündig und kann das Museum für Hamburgische Geschichte am Südende des Parks (S Bahn St. Pauli) besuchen.

Der Park hat viele Gesichter. Wenn man sich Zeit nimmt, findet man sich selbst.

Ein paar meiner Lieblingsorte im Park: Die Eislaufbahn unter freiem Himmel im Winter (meistens im Hintergrund die bunten Lichter des Winterdoms), das Tropengewächshaus und die mediterranen Sommerterrassen davor, der Kaskadenwasserfall mit Blick auf das Radisson Blu, die Kirschen am alten Botanischen Garten, die vielen kleinen, wenig frequentierten Wege zwischen Japanischem Garten, Café Seeterrassen und Rosengarten, der Apothekergarten, der Musikpavillon, mit seinen tollen Outdoor-Konzerten und der Wassergarten unterhalb des Eiscafés Livotto, wo wir im Sommer oft Swing tanzen.

Planten Un Blomen ist also nicht ein Park. Der Park hat viele Gesichter. Wenn man sich Zeit nimmt, dann findet man sich selbst. Das macht ihn einzigartig. Nirgendwo gibt es Vergleichbares.

Es gibt viele Möglichkeiten in den Park zu gelangen. Die Stationen St. Pauli (im Süden), Messehallen , Stephanplatz oder Dammtor. Es lassen sich aber auch hervorragend weitere Stadtteile anhängen: Zum Beispiel kann man von der Feldstraße durch das Karoviertel in den Park gelangen oder von der Sternschanze durch den Schanzenpark. Auch die Alster, das Grindelviertel, die Reeperbahn oder die Landungsbrücken (über den Alten Elbpark) liegen fußläufig vom Park entfernt.

Inselpark in Wilhelmsburg

Seine Imposantz verdankt der Inselpark in Wilhelmsburg unter anderem der Internationalen Gartenschau, die 2011 hier stattfand. Tatsächlich ist das auch meine erste Erinnerung an den Park. Die weite Anlage beherbergt nicht nur zwei Kleingartenvereine, hier gibt es für Sportliche auch eine Sportarena, wo u.a. Bundesligabasketballspiele stattfinden (wo ich mal in der Pause mit einer nicht so rühmlichen Trefferquote auf dem Platz stand), eine Kletterhalle und einen Kletterpark, eine Skaterbahn und viele asphaltierte Wege für Inliner-Ausflüge. Es gibt tolle Spielplätze (z.B. die Spielplätze Geheime Insel und Wüstenwell), Teiche, auf denen man Kanus und Tretboote fahren kann und einen Frisbee-Golfplatz. Ganz besonders nett ist das Café Willi Villa.

Pause an der Willi Villa mit Blick auf den See.

Wer mit der S-Bahn anreist, steigt in Wilhelmsburg aus und ist in fünf Minuten im Park. Wer Lust auf Erkundung per Rad hat, kann auch durch den alten Elbtunnel oder durch die Hafencity und über die Elbbrücken radeln. Und für Langstreckenausflügler ist der Park eine perfekte Zwischenstation zur Bunthäuser Spitz und dem kleinen Naturschutzgebiet Heukenlock (siehe Video) oder nach Harburg.

Fischbeker Heide

Die Fischbeker Heide ist der nördliche Teil der Heide. Hier beginnt der 223 Kilometer lange Heidschnuckenweg. Von hier aus kann man auch auf Hamburgs höchsten “Berg”, den Hasselbrack, wandern. Dafür läuft man hin und zurück rund 14 Kilometer (siehe Video). Man kann hier aber auch einfach nur spazieren gehen – ein, zwei oder drei Stunden.

Auf dem Heidschnuckenweg in der Fischbeker Heide.

Dieser Teil der Heide besteht aus einem Netz an breiten und kleinen Sandwegen, Wiesen und Wäldchen. Mit Picknick im Gepäck das perfekte Ausflugsziel! Geeignet für Spaziergänge mit ausgedehnten Pausen (auch Bänke gibt es genug) ohne allzuviel Planungsstress.

Um in die Heide zu gelangen fährt man mit der S3 (Richtung Stade) rund eine Dreiviertelstunde bis Fischbek. Oder man fährt bis Neuwiedenthal, auch hier gibt es schöne Pfade durch lichte Wälder und Heideflächen.

Falkensteiner Ufer

Folgt man der Elbe Richtung Nordsee, liegt hinter Blankenese das Falkensteiner Ufer. Es hat nicht nur einen wunderschönen, weißen Sandstrand, hier ist es meist auch weniger voll als am Elbstrand in Övelgönne. Aber ich finde, der Strand ist nicht nur zu Sommerzeiten ein Erlebnis. Auch im Herbst bei Regen ist der Blick auf die Elbe und die vorbeifahrenden Schiffe Erlebnis genug.

Blick auf die Elbe vom Falkensteiner Ufer.

Der Campingplatz ElbCamp bietet die nötige Verpflegung und ist von April bis Ende Oktober geöffnet. Hier kann man Zelte direkt am Sandstrand aufbauen, im Café Lüküs gibt es Speisen, kalte und warme Getränken. Hier haben wir im Sommer Bier geholt und bei Regen Kaffee und Kuchen verzehrt.

Um zum Strand zu kommen, fährt man mit der Bahn bis Blankenese und läuft von da (rund 3 Kilometer). Der Weg ist abwechslungsreich: Die kleinen Gassen zur Elbe, das Fährterminal Blankenese mit den Cafés und Restaurants, am Strand passiert man Schiffswracks, der Römische Garten und der Park am Wasserwerk bieten Abwechslung – abgesehen von den Segelbooten und den Frachtern, die die Elbe rauf und runter schiffern.

Loki Schmidt Garten

Der Neue Botanische Garten (Loki Schmidt Garten) liegt in Klein Flottbek, im Westen Hamburgs. Die Anlage ist ein floraler Themenpark: Von Beeten mit alten Gemüsesorten, Japanischem Zengarten, Giftpflanzenecke, einer Alpinlandschaft, Steingärten oder Mammutbäumen, fächern sich die Areale um eine große Wiese und einen Karpfenteich in der Mitte des Parks. Wer sich treiben lässt und sich in den vielen kleinen Wegen verliert, vergisst die Zeit.

Unzählige kleine Wege führen durch die verschiedenen Parkanlagen.

Der Garten sieht zu jeder Jahreszeit anders aus – ein regelmäßiger Abstecher lohnt sich. Meine besondere Empfehlung: Auch in der kalten Jahreszeit und abseits der Stoßzeit vorbei schauen. Dann ist es hier herrlich ruhig und man hat den Park fast für sich allein.

Der perfekte Abschluss für den Spaziergang ist eine Pause in Café Schmidtchen Palme. Hier gibt es selbstgebackene Kuchen und Kekse, warme Quiches und belegte Brote. Ein echtes Highlight. Wem es noch nicht genug ist, kann auch weiter durch den Jenischpark zur Elbe und von da nach Blankenese oder zum Elbstrand laufen.

Sachsenwald

Einst stand hier im Norden ein riesiger Urwald, der von der Ostsee bis nach Niedersachsen reichte. Nur der Sachsenwald, vor den Toren Hamburgs, ist davon noch übrig geblieben. Durch das Billetal, das heute unter Naturschutz steht, floss vor 10.000 Jahren das Schmelzwasser, der Eismassen, die sich aus dem Norden hereindrückten.

Der Sachsenwald ist das größte geschlossene Waldgebiet in Schleswig-Holstein. Hier stehen Fichten, Kiefern, Buchen und alte Eichen. Der Wald hat eine lange Geschichte. Er war Jagdgebiet von Kaiser Wilhelm I., der den Wald 1871 Otto von Bismarck schenkte. Noch heute gehört ein Teil der Familie Bismarck. Der Wald hat aber auch eine dunkle Seite – dazu später mehr.

Der legendäre Wald hat aber auch eine Schattenseite: Immer wieder war er Tatort von Verbrauchen. Aber er ist vor allem eines: Ein idyllisches Naturparadies für Spaziergänger, Wander und Ausflügler jeder Art.

Ich würde den Artikel gerne noch weiter ergänzen. Was sind deine Lieblingsecken?

Kommunikation und der Schutz unseres Planeten Erde sind meine Leidenschaft. Ich mag Perspektivenvielfalt und entwickle neue Idee für alte Probleme, um Kommunikation menschlich zu machen. Ich lebe in Hamburg.

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